Meine Familiengeschichte





Meine Familie ist donaudeutscher Abstammung. Der Vater meines Vaters stammt aus Werschetz (Vrsac), die Mutter aus Kudritz. Der Vater meiner Mutter stammt aus Filipowo. Alle Ortschaften liegen im ehemaligen Jugoslawien. Die ersten beiden im Banat, der letzte in der Batschka.
Aber wir sind "Urdeutsch", denn im 18 Jahrhundert wurden wir mit tausenden anderen in drei "Wellen" in das damalige Königsreich Österreich-Ungarn umgesiedelt. Nicht ausgesiedelt, denn es war ja ein Land. Dort gab es drei Gebiete, das Banat, die Schwäbische Türkei und die Batschka. Dort begann dann der Wiederaufbau des Landes, das durch dir Kriege mit den Türken zerstört wurde. Es musste erst Fruchtbar gemacht werden, denn weite Teile waren Sumpfgebiet. Da jedoch viele Bauern dabei waren, ging es relativ gut voran. Es gibt da so einen Spruch, der genau das wiederspiegelt:

Den ersten der Tod, den zweiten die Not und den dritten das Brot

Daran sieht man, dass viele umgekommen sind, einige schon auf der langen Reise, andere wegen Krankheiten oder wegen Hungersnot. Doch sehr viele haben es geschafft und schon bald nahm die Einwohnerzahl in den Gebieten zu, Schulen wurden gebaut ebenso Geschäfte, Universitäten, Kirchen und sonstige Einrichtungen. Auch an Ärzten und Lehrern fehlte es nicht genausowenig wie am Winzer und Schnapsbrenner. Beide Berufe waren in meiner Familie vertreten.
Doch dann kam der zweite Weltkrieg. Die Wende in diesem schönen Land, dass sich auch in der Wirtschaft einen Namen gemacht hat. Denn die Donaudeutschen, natürlich lebten dort auch Ungarn, Partisaner und Serben, haben es geschafft, innerhalb von einigen Dekaden aus dem Sumpfgebiet eine blühende und fruchtbare Landschaft zu gestalten. Dabei wuchs natürlich auch der Neid der "Einhemischen". 1944 war es ganz schimm. Die Donauschwaben, wie sie mittlerweile genannt wurden, wurden misshandelt, geschlagen und ermordet. Niemand fragte danach. Es gab sogar öffentliche Aufrufe, dass sich Männer in einem bestimmten Alter um eine gewisse Uhrzeit auf dem Marktplatz einfinden sollen. Vielen war klar, dass sie nicht mehr nach Hause kommen würden. Auf dem Marktplatz sollten sie sich dann in eine Reihe aufstellen. Dann wurde der Feuerbefehl erteilt und die Leiber der jungen und alten Männer, die kriegsuntauglichen, fielen leblos zu boden. Die Donauschwaben waren vom Prinzip her "Vogelfrei". Diejenigen, die noch in den Ortschaften waren, egal ob Kind oder Frau, wurden in Internierungslager gesteckt. Das gesamte Hab und Gut musste man zurücklassen. In diesen Zwangsarbeitslagern war die Versorgung natürlich recht spärlich. Die Aufseher meist brutal und gemein. Viele waren fürher Knecht bei Donauschwaben. Am nächsten Morgen fand man des öfteren Stellen auf dem Gelände, wo der Boden frisch verscharrt war. Folglich wurden einige erschossen oder sind verhungert. Viele meiner Vorfahren kamen in solchen Lagern um.
Erst in den 50er Jahren kamen sie nach Deutschland, in die Pfalz. Man arbeitete hart, damit man sich das Leben leisten kann. Nach einigen Jahren kaufte mein Urgroßvater einen Bauernhof und holte die Familie Breinich, meinen Opa und dessen jüngeren Bruder, wieder an einen Ort. Der Bauernhof wurde ausgebaut und somit wuchs auch das Ansehen der Familie. Nach einigen Jahren gehörten wir zu den größten Bauern in unserer neuen Heimat, in der wir gut aufgenommen wurden.
Dennoch gehöre ich heute leider schon der 3. Generation an, die zumindest nicht Hauptberuflich Landwirt ist.Schon mein Opa arbeitete später bei der Bahn und arbeitete zwar sehr viel aber dennoch nur nebenher auf dem Bauernhof. Derzeit haben wir nur noch einige Stücke Land, die wir selbst bewirtschaften.

So, dass war in groben Zügen meine kleine Familiengeschichte. Diese soll auch dazu beitragen, dass nicht vergessen wird, dass auch an deutschen Familien misshandlungen und Vertreibung stattgefunden hat.

Alexander Josef Breinich